Vom Schaf, dem schwarzen
In seiner Stimme schwang jetzt ein wenig Strenge mit. „Musste wohl von der Luft sein“, versuchte das Schaf sich den Umstand zu erklären. Doch so war es nicht. Es hatte seinen Grund. „Mein liebes Schaf,“ ertönte die Gottesstimme, „ich muss dir eine Frage stellen.“ „Ja bitte,“ war es in Schafsdeutsch zu hören, „ich bin ganz Ohr!“ „Also gut, wieviel Schafe wurden vor-vor-vorletztes Jahr von den Wölfen gerissen?“ „Weiß ich nicht, kann doch nicht zählen!“ Gott fuhr noch etwas strenger fort: „Aber ich, ich kann zählen, dreiunddreißig waren es, ja, dreiunddreißig.“ „Du wirst es wohl wissen, also dreiunddreißig, gut, also nein, nicht gut!“, das Schaf, das schwarze, ob es in seinem Gehirn vielleicht doch schwarz sei, was für’s Zählen vielleicht nicht so gut wäre, und es dachte noch darüber nach, als Gott schon wieder ansetzte: „Wieviel waren davon schwarz?“ „Weiß ich nicht!“ Jetzt wirkte Gott leicht gereizt: „Du Schafskopf, wenn du das einzige schwarze Schaf bist, du Esel, dann müssen es alles weiße gewesen sein.“ „Öh, da könntest du allerdings recht haben!“
Gott hatte sich etwas beruhigt: „Wieviel Schafe wurden vorvorletztes Jahr von den Wölfen gerissen? Ich weiß, du weißt es nicht. Also, 19 waren es. Wieviel weiße?“ „Das muss ich erst mal überlegen!“, meinte, das Schwarze, das Schaf, kleinlaut. „Alles weiße, mein Freund, du Schaf, du!“ „Schön, Quatsch, nicht schön!“, kam es unsicher unter der schwarzen Wolle hervor.